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Wikinger-Kleidung: Wolle, Leder und keine Hörnerhelme
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Wikinger-Kleidung – Wolle, Leder und keine Hoernerhelme
Das beharrlichste Missverstaendnis der Wikingerzeit sitzt auf dem Kopf: Der Hoernerheln. Kein einziger archaeologischer Fund belegt, dass Wikinger Helme mit Hoernern trugen. Diese Phantasie ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts, romantisiert von Opernkostuembildnern und Nationalisten. Was Wikinger wirklich trugen, war weit weniger dramatisch – aber weit interessanter.
Die Grundgarnitur: Wolle und Leinen
Das Hauptmaterial wikingischer Kleidung war Wolle – fuer Oberkleider, Mäntel, Hosen und Strickwaren. Darunter trug man Leinen, das kuehlere und glattere Material fuer koerpernahe Schichten. Seide tauchte bei reichen Individuen auf – importiert aus Byzanz oder dem arabischen Raum via Handelsroute.
Maenner trugen einen langaerrmeligen Kittel (kyrtill), darueber einen Mantel, der an der Schulter mit einer Fibel fixiert wurde. Hosen reichten bis zum Knie oder Knoeechel, wurden mit einem Guert gehalten. Lederschuhe, meist einfach geschnitten, komplettierten die Garderobe.
Frauen trugen ein langes Leinenkleid, darueber einen sogenannten smokkr – ein traegerartiges Obergewand, das mit zwei Fibeln vorne gehalten wurde. Diese Fibeln – oft aufwaendig verziert – waren gleichzeitig Schmuck und Teil der Alltagskleidung. Mehr ueber Fibeln und Schmuck erklaert unser Beitrag ueber Wikinger-Schmuck.
Farben
Wikinger-Kleidung war nicht grau und trist. Textile Farben wie Indigorot, Waid-Blau, Krapp-Rot und Reseda-Gelb wurden durch Pflanzenfaerbung erzeugt. Funde zeigen lebhafte Streifenmuster und gemusterte Borten an Aermelabschluessen.
Der echte Wikinger-Helm
Der einzige erhaltene wikingische Eisenhelm (Gjermundbu-Helm, Norwegen) ist ein einfacher Nasenhelm ohne jeden Schmuck. Andere Funde zeigen Lederhelme. Hoerner fehlen vollstaendig.
Textilhandwerk als Frauenarbeit und Wirtschaftsfaktor
Weben und Spinnen waren in der Wikingerzeit Frauensache – aber keineswegs minderwertig. Das Textilhandwerk war ein entscheidender Wirtschaftsfaktor. Wollstoffe aus Island und Skandinavien wurden in ganz Europa gehandelt. Webgewichte aus Ton sind einer der haeufigsten Kleinfunde in wikingischen Siedlungen.
Entlang der Handelsrouten – auch Saar-Mosel-Rhein – wurden Stoffe gehandelt. Fraenkische Haendler und skandinavische Kaufleute tauschten flmaendische Tuche gegen nordische Wolle. Das verbindet die wikingische Textilkultur direkt mit der mittelalterlichen Wirtschaft der saarlaendischen Region.
Kleidung als soziales Signal
Kleidung kommunizierte Rang und Herkunft. Ein Jarl trug kostbarere Stoffe, feinere Faerbung, mehr Silberfibeln. Ein Bauer trug ungefaerbte oder einfach gefaerbte Wolle. Sklaven trugen Lumpen oder das Noetigste. Reisekleidung unterschied sich von Festkleidung – und Kriegskleidung (Kettenhemd, Lederruestung) von der Alltagsgarderobe.
Im Wikinger Museum Saarbruecken sind Rekonstruktionen wikingischer Kleidung zu sehen – einschliesslich der richtiggestellten Helme, ohne Hoerner.
Wikinger sahen anders aus, als wir dachten – eleganter, bunter, gepflegter. Ueberzeuge dich selbst: In unserer Ausstellung zeigen wir echte Rekonstruktionen. Plane deinen Besuch im Wikinger Museum Saarbruecken.