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Wikinger-Hygiene: Sauberer als ihr Ruf
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Wikinger-Hygiene – Sauberer als ihr Ruf
Das Klischee ist hartnackig: der stinkende, biertrinkende Wikinger, der nie badet. Es ist falsch. Archaeologische Funde und zeitgenoessische Quellen zeichnen ein voellig anderes Bild: Wikinger waren fuer das Mittelalter aussergewoehnlich hygienebewusst – regelmaessiges Baden, Haarpflege, Zahnpflege und gepflegte Kleidung waren Teil des Alltags.
Das Samstagsbaad: Keine Legende
Im Altnordischen heisst Samstag laugardagr – woertlich: Badetag. Der Name ist Programm. Es gibt historische Belege, dass Wikinger mindestens einmal pro Woche badeten – was fuer das Mittelalter, in dem das monatliche Bad in vielen europaeischen Kulturen als ausreichend galt, aussergewoehnlich war.
Angelsaechsische Quellen beklagen, dass die Normannen bei englischen Frauen so beliebt waren – und fuehren das explizit auf ihre regelmaessige Koerperpflege und ihr gepflegtes Haar zurueck. Das war kein Kompliment, sondern ein veraechtlicher Kommentar englischer Maenner ueber erfolgreiche Rivalenn.
Kaemme, Pinzetten und Ohrloeeffel
Der haeufigste Kleinfund in wikingischen Siedlungen ist nicht die Pfeilspitze – sondern der Kamm. Hergestellt aus Knochen, Geweih oder Elfenbein, war er ein staendiger Begleiter. Kaemme wurden in Guerteltaschen getragen – Maenner und Frauen gleichermassen.
Dazu kamen Pinzetten zum Entfernen von Ungeziefer und Fremdkoerpern, Ohrloeffel (archaeologisch belegt), Zahnstochern aus Holz oder Knochen, und einfache Rasiermesser. Das Hygiene-Kit eines Wikingers war erstaunlich vollstaendig.
Zahngesundheit
Wikinger litten weniger unter Karies als spaetere mittelalterliche Bevoelkerungen – wegen des geringeren Zuckerkonsums. Dennoch sind Zahnverschleiss und Zahnverlust in Skeletten haeufig. Zahnreinigung mit Holzstaebchen oder grobem Tuch ist belegt.
Seifenartige Mittel
Es gibt Hinweise auf die Nutzung von Holzasche-Lauge als reinigende Substanz – eine Form von Seife. Lauge hat tatsaechlich desinfizierende Eigenschaften. Ob das systematisch oder nur gelegentlich genutzt wurde, ist ungeklaert.
Hygienekultur entlang der Saar
Kaemme aus Geweih und Knochen wurden im gesamten fruehhmittelalterlichen Europa gefunden – in fraenkischen, irischen, angelsaechsischen und skandinavischen Kontext. Entlang der Handelswege, die auch durch das Saarland fuehrten, zirkulierten nicht nur Waren, sondern auch Hygienegewohnheiten.
Fraenkische Kloester, die im saarlaendischen Raum preaesent waren, pflegten ebenfalls Hygieneregeln – teils aus roemischer Tradition. Es ist gut moeglich, dass skandinavische Haendler und fraenkische Moenche auf den Marktplaetzen des Saarlandes dieselben Kaemme aus denselben Werkstaetten kauften. Das Wikinger Museum Saarbruecken zeigt diese alltagsgeschichtliche Dimension der Wikingerzeit.
Wie Gesundheit und Hygiene zusammenhaingen, erklaert unser Artikel ueber Wikinger-Medizin.
Wikinger waren keine Barbaren – sie waren Haendler, Handwerker und Menschen mit Hygienebewusstsein. Plane deinen Besuch im Wikinger Museum Saarbruecken und entdecke, wie die echte Wikingerzeit aussah. Zur Ausstellung.