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Wikinger-Kinder: Erziehung, Spiele und der Weg zum Erwachsensein

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Wikinger-Kinder beim Spielen mit Holzschwertern und Brettspiel vor einem Langhaus

· Alltag & Kultur · 6 Min. Lesezeit

Wikinger-Kinder – Erziehung, Spiele und der Weg zum Erwachsensein

Kinder in der Wikingerzeit hatten keine geschuetzte Kindheit im modernen Sinn. Aber sie hatten eine echte – voller Spiele, Lernen, und einer schrittweisen Einfuehrung in die Welt der Erwachsenen. Wie Wikinger-Kinder aufwuchsen, was sie lernten, womit sie spielten und wann sie als erwachsen galten, veraet mehr ueber die Wikingergesellschaft als jede Schlachtschilderung.

Geburt und frueher Lebensanfang

Ein Neugeborenes wurde nicht automatisch in die Familie aufgenommen. Der Vater musste das Kind formal anerkennen– durch Benennung und das Begiesssen mit Wasser (eine vorchristliche Taufaehnliche Handlung). Erst dann war das Kind rechtlich ein Mitglied der Gemeinschaft mit Anspruch auf Erbe und Schutz.

Wurde ein Kind nicht anerkannt – zum Beispiel wegen Armut oder wenn es krank geboren wurde – konnte es ausgesetzt werden. Diese Praxis ist ethisch erschreckend, war aber im vorchristlichen Europa weit verbreitet und wurde erst durch das Christentum langsam zurueckgedraengt.

Kindheit und Ausbildung

Maedchen wurden in Handarbeiten, Haushaltsführung und Heilkrauterkunde eingewiesen – Fertigkeiten, die ueberleben sicherten. Jungen lernten frueh den Umgang mit Werkzeug, Tieren und schliesslich Waffen. Mit etwa sieben Jahren begann fuer Jungen die ernsthafte Ausbildung: Reiten, Bogenschiessen, Schwimmen, Rudern.

Spielzeug ist archaeologisch belegt: Holzschwert, Miniaturtiere, Holzschiffe. Kinder spielten Imitationsspiele der Erwachsenenwelt – Kamp und Seefahrt. Das ist nicht anders als heute. Brettspiele wie Hnefatafl wurden von Kindern und Erwachsenen gleichermassen gespielt.

Wann war man erwachsen?

Mit etwa 15–16 Jahren galten Jungen als waffenfaehig und konnten zum Ding gehen. Maedchen heirateten oft ab 14–16 Jahren. Ein festes Erziehungsende gab es nicht – der Uebergang war fliessend und praktisch.

Pflegekinder und Fosterage

Reiche Familien gaben ihre Kinder regelmaessig in andere Haushalte – ein System namens Fosterage. Das Kind lernte dort Fertigkeiten und knuepfte soziale Netzwerke. Es war gleichzeitig Ausbildung und politisches Instrument zur Allianzsicherung.

Runenschrift und Wissensvermittlung

Nicht jedes Kind lernte Runen, aber Lesen und Schreiben in der Runenreihe war fuer viele zugaenglich – besonders fuer Kinder aus Handwerker- und Haendlerfamilien. Runen hatten eine doppelte Funktion: praktisch (Nachrichten, Eigentumsmarkierungen) und magisch (Schutz, Prophezeiung). Mehr dazu in unserem Artikel ueber Wikinger-Runen.

Mythen und Sagas wurden muendlich weitergegeben. Kinder lernten Goettergeschichten und Heldenepen nicht als Unterhaltung, sondern als moralische Erziehung und kollektive Identitaet.

Kinder im Saarland der Wikingerzeit

Kinder in der saarlaendischen Region des 9. Jahrhunderts hatten eine aehnliche Grundrealitaet: fruehe Arbeit, schrittweise Einfuehrung in Handwerk oder Landwirtschaft, Spiel mit Holz- und Tonspielzeug. Fraenkische und nordische Kindheitsmuster unterschieden sich weniger, als man denkt.

Das Wikinger Museum Saarbruecken zeigt Artefakte aus der Alltagswelt der Wikingerzeit – einschliesslich der Welt der Kinder, die oft vergessen wird, wenn Geschichte auf Schlachten reduziert wird.

Die Kindheit der Wikinger war rauh und voller Erwachsenwerden. Erlebe ihre Welt: In unserer Ausstellung im Wikinger Museum Saarbruecken. Plane deinen Besuch.