Blog · Alltag & Kultur
Wikinger-Essen: Was aßen die Nordmänner wirklich?
· Alltag & Kultur · 7 Min. Lesezeit
Wikinger-Essen und Kueche – Was assen die Nordmaenner wirklich?
Kein rohes Fleisch. Keine Schaedel als Trinkgefaeesse. Kein ewiges Grillgut. Die Vorstellung von der Wikinger-Kueche als barbarisches Festgelage haelt keiner historischen Pruefung stand. Was Archaeologen in wikingerzeitlichen Siedlungen finden, ist eher das Gegenteil: eine ueberraschend ausgewogene, regional angepasste Ernaehrung, die auf Getreide, Fisch, Milchprodukten und saisonalem Gemuese basierte.
Die Basisnahrung: Getreide, Fisch, Milch
Das Rueckgrat der wikingischen Ernaehrung war Gerste – als Brot, als Brei, als Grundlage fuer Bier. In kuesternahen Siedlungen kam Roggen dazu, in suedlicheren Gebieten auch Weizen. Archaaologische Magenanalysen wikingerzeitlicher Leichen zeigen: Der groesste Kaloriengeber war Getreide, nicht Fleisch.
Fisch war ebenso zentral – besonders Hering (massenweise gefangen und in Salz oder durch Trocknung konserviert), Kabeljau und Lachs. Fischknochen sind der haeufigste Nahrungsabfall in wikingischen Ausgrabungsstaetten. In Kuestenregionen kamen Meeresfrueechte hinzu.
Milchprodukte spielten eine wichtige Rolle: Skyr – eine Art islaendischer Joghurt, hochproteinreich – war im gesamten nordischen Raum verbreitet. Butter wurde in Gefaessen konserviert, teils sogar in Moorloechern vergraben, um sie kuehl zu halten.
Gemuese und Krauter
Wikinger bauten Kohl, Erbsen, Bohnen, Zwiebeln und Lauch an. Wilde Craeuter wie Dill, Koriander und Senf wurden als Gewuerz verwendet. Wildbeeren, Aepfel und Nuesse ergaenzten die Ernaehrung saisonal.
Was ist mit dem Met?
Met (Honigwein) war ein Festgetraenk fuer besondere Anlaesse. Das Alltagesgetraenk war Bier aus Gerste – schwaecher, weniger suss. Wasser wurde meist abgekocht oder fermentiert getrunken, um Krankheiten zu vermeiden.
Fleisch: weniger als gedacht
Fleisch war vorhanden – Schwein war am haeufigsten, danach Rind, Schaf und Ziege. Aber es war kein taegiches Nahrungsmittel fuer das Volk, sondern eher ein Merkmal von Status und Fest. Jaeger erbeuteten Hirsch, Wildschwein und Hasen. In Kuestenregionen waren Robbenfleisch und Walspeck verbreitet.
Das Bild des Wikinger-Kriegers, der ganze Ochsen roh verschlingt, ist schlicht falsch – das war eine romantische Uebertreibung spaeterer Jahrhunderte.
Wikinger-Kueche im Saarland – die gemeinsame Tafel
Was viele nicht wissen: Die Grundnahrungsmittel der Wikinger und der saarlaendischen Bevoelkerung des 9. Jahrhunderts waren aehnlicher als erwartet. Gerste, Huelsenfrueechte, Wildbeeren, Salzfisch – das waren Grundlagen ueberall in Mitteleuropa.
Wikinger, die entlang der Saar-Mosel-Route zogen, konnten sich problemlos von der einheimischen Landschaft ernaehren – oder Lebensmittel handeln. Fraenkische Marktplaetze und nordische Haendler tauschten nicht nur Silber und Waffen, sondern auch Lebensmittel, Gewuerze und Konservierungsmethoden. Das Wikinger Museum Saarbruecken zeigt in seiner Ausstellung, wie nah die wikingische Alltagskultur der eigenen regionalen Geschichte war.
Wie diese Mahlzeiten zubereitet wurden und wo – im Langhaus – erfaerst du in unserem naechsten Artikel.
Wikinger waren keine Barbaren am Tisch – sie waren sorgfaeltige Koeche ihrer Zeit. Entdecke die Welt der Nordmanner von innen: Unsere Ausstellung und plane deinen Besuch im Wikinger Museum Saarbruecken.