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Wikinger-Navigation: Wie fanden sie den Weg ohne Kompass?

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Sonnenstein und Sternenkarte auf einem Wikinger-Schiffsdeck

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Wikinger-Navigation – Wie fanden sie den Weg ohne Kompass?

Kein GPS, kein Kompass, kein Sextant. Dennoch fuhren Wikinger zuverlaessig von Norwegen nach Island, von Island nach Groenland, von Groenland nach Nordamerika – ueber tausende Kilometer offenen Ozeans. Wie haben sie das gemacht? Die Antwort verblueffe selbst moderne Navigatoren: Sonnenstein, Sternengedaechtnis und genaue Kenntnis des Meeres.

Breitengrad-Navigation: Dem Weg der Sonne folgen

Das grundlegendste Prinzip der Wikinger-Navigation war die Breitengrad-Navigation. Die Wikinger wussten, dass Island auf einer bestimmten Breitengrade lag – und dass sie dorthin gelangten, indem sie die Sonne auf ihrer hoechsten Mittagsposition verfolgten. Wenn die Sonne einen bestimmten Winkel hatte, war man auf dem richtigen Breitengrad. Man fuhr einfach geradeaus nach Westen.

Das klingt einfach – ist es aber nicht, wenn Wolken den Himmel bedecken. Genau fuer dieses Problem hatten die Wikinger eine Loesung: den Sonnenstein.

Der Sonnenstein – kein Mythos

Sagas erwaehnen einen Stein, mit dem man die Sonne selbst durch Wolken orten konnte. Lange galten diese Berichte als Legende. Dann entdeckten Wissenschaftler: Es gab ihn wirklich. Kristalle aus Kalkspat (Islaendischer Doppelspat) polarisieren Licht auf eine Weise, die auch bei bedecktem Himmel die genaue Position der Sonne verraet.

wurden auf einem gesunkenen englischen Schiff aus dem 16. Jahrhundert Kalkspat-Kristalle gefunden – ein Beweis, dass solche Steine tatsaechlich zur Navigation genutzt wurden. Experimente zeigten, dass ein geoebter Nutzer damit die Sonne auf wenige Grad genau orten kann.

Sterne als Karte

Nachts navigierten Wikinger nach dem Polarstern, der immer Norden zeigt. Zusaetzlich kannten sie die Winkel anderer Sterne und konnten Jahreszeit und Breite abschaetzen. Dieses Wissen wurde muendlich weitergegeben.

Meer als Information

Erfahrene Wikinger lasen das Meer: Wasserfarbe, Meeresstroemungen, Vogelarten (Puffins fliegen ans Land), Walarten, Treibgut. All das gab Hinweise auf Naehe zu Land – auch ohne jeden Sichtkontak.

Die Landwirtskultur des Meeres – Saarland und die Flusswege

Dieselben Navigationsmaenner, die den Atlantik meisterten, waren auch Meister der Flussnavigation. Rhein, Mosel und Saar verlangen andere Faehigkeiten – kein Ozeanstrom, aber Strudel, Untiefen, wechselnde Wasserspiegel.

Wikinger, die ins heutige Saarland vordrangen, beherrschten diese Techniken. Sie wussten, wann die Fluesse niedrig lagen, wo die Fahrrinnen waren, welche Ufer Anlegemoelichkeiten boten. Das Wissen war das gleiche – nur der Kontext wechselte von Ozean zu Fluss. Das Wikinger Museum Saarbruecken zeigt beide Dimensionen: die Hochseenavigatoren und die Flussfahrer, die das europaeische Inland erschlossen.

Menschliches GPS: die muendliche Routenbeschreibung

Neben allen physischen Hilfsmitteln war das Wichtigste der menschliche Kopf. Wikinger teilten Landekmarken als muendliche Beschreibungen: „Fahre nach Westen, bis du keine Voegel mehr siehst, dann nordwestlich, bis das Wasser kalt wird, dann Westen bis zum ersten Eis." Diese Anweisungen wurden von Kapitaen zu Kapitaen weitergegeben – ein lebendiges GPS aus menschlicher Erfahrung.

Das Leif Eriksson Amerika fand, waere ohne dieses Wissen und das richtige Schiff undenkbar gewesen.

Wikinger-Navigation ist die Geschichte menschlicher Intelligenz ohne Technologie. Erlebe diese Welt im Wikinger Museum Saarbruecken – und plane deinen Besuch noch heute.