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Freydís Eiríksdóttir: Die Wikingerin, die Amerika verteidigte

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Wikingerin mit erhobenem Schwert an einer Küstenklippe – Sinnbild für Freydís in Vinland

· Geschichte & Forschung · 7 Min. Lesezeit

Freydis Eiriksdottir – Die Wikingerin, die Amerika verteidigte

Stell dir vor: Du bist schwanger, deine Maenner fliehen vor einer Ueberzahl einheimischer Krieger, und du greifst nach einem Schwert. Du schlaegsst es gegen deine eigene Brust – nicht aus Verzweiflung, sondern um Furcht zu zeigen. Und deine Feinde fliehen.

Diese Szene soll Freydis Eiriksdottir in Vinland erlebt haben – Tochter Erik des Roten, Schwester Leif Erikssons, und eine der raetselhaftesten Wikinger-Frauen der Geschichte. Heldin oder kaltbluetige Moerderin? Die Quellen geben auf beide Fragen eine Antwort.

Vinland – Freydis' Buehne

Freydis taucht in beiden Vinland-Sagas auf – der Groenlaendersaga und der Eiríks saga rauða. Beide schildern sie als Teilnehmerin an Expeditionen nach Vinland, dem nordischen Namen fuer die nordamerikanische Kueste. Die Berichte stimmen in einem ueberein: Freydis war kein passiver Mitreisender.

Die dramatischste Szene stammt aus der Groenlaendersaga: Als die Siedler von einheimischen Kaempfern angegriffen wurden und die nordischen Maenner flohen, nahm Freydis – hochschwanger – ein Schwert eines gefallenen Kaempfers, schlug es gegen ihre nackte Brust und schrie den Einheimischen entgegen. Diese wichen zurueck.

Die dunkle Seite: Moord in Vinland

Dieselbe Saga beschreibt Freydis auch als Moerderin. In einem Streit mit zwei islaendischen Brueder – Helgi und Finnbogi – soll sie ihre eigenen Maenner dazu gebracht haben, die Brüder und deren Gefolge zu toeten. Fuenf Frauen wollte kein Mann umbringen. Freydis soll sie selbst erschlagen haben.

Ob diese Geschichte stimmt, ist unklar. Sagas haben auch eine politische Funktion: Sie stuetzen den Ruhm bestimmter Familien und beschaedigen Rivalen. Mooglicherweise war Freydis das Opfer einer spaeter verzerrten Ueberlieferung.

Heldin: die Schwertkampf-Szene

Historiker nehmen die Szene ernst – nicht als Beweis, dass Frauen regelmaessig kaempften, aber als Zeugnis, dass Wikinger-Frauen in Extremsituationen Waffen ergriffen. Sie passt zu dem, was Grabfunde ueber Frauen mit Waffen andeuten.

Moerderin: Quellenproblematik

Die Mord-Szene erscheint nur in einer Saga. Manche Forscher vermuten, sie sei spaeter eingeflochten worden, um Freydis als negative Folie gegen Leifs moralische Groesse zu setzen.

Wikinger-Frauen: Nicht das, was wir dachten

Freydis verkörpert, was die Archaeologie zunehmend bestaetigt: Frauen in der Wikingerzeit hatten weit mehr Handlungsmacht, als das 19. Jahrhundert ihnen zugestanden hat. Grabfunde zeigen Frauen mit Schwertern, mit Reitausstattung, in Positionen, die auf Fuhrerschaft hindeuten. Unser Artikel ueber Schildmaiden geht dieser Frage ausfuehrlich nach.

Im Saarland und entlang der Saar-Mosel-Route gibt es Hinweise auf nordische Frauenrolle, die sich von den gaengigen Klichees unterscheiden. Im wikingerzeitlichen Kontext – also auch in dem Milieu, das das Wikinger Museum Saarbruecken repraesentiert – waren Frauen Haendlerinnen, Hohepriesterinnen, Haushaltsvorstaende mit echtem wirtschaftlichen Einfluss.

Warum Freydis wichtig bleibt

Freydis Eiriksdottir ist deshalb faszinierend, weil sie sich nicht vereinnahmen laesst. Sie ist zu komplex fuer den Heldinnen-Bogen, zu raetsselhaft fuer das Taeternbild. Sie zeigt, dass die Wikingerzeit voller Widersprueche war – genauso wie jede andere.

Und sie erinnert daran: Hinter jedem grossen Entdecker steht oft eine Frau, die die Flinte hochhaelt, wenn alle anderen weglaufen.

Die Welt der Wikinger-Frauen – Schwertraegerinnen, Haendlerinnen, Goettinnen – ist Teil unserer Ausstellung im Wikinger Museum Saarbruecken. Plane jetzt deinen Besuch und erlebe die Frauen der Wikingerzeit hautnah.