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Erik der Rote: Verbannung, Grönland und das Leben am Rand der Welt
· Geschichte & Forschung · 7 Min. Lesezeit
Erik der Rote – Verbannung, Groenland und das Leben am Rand der Welt
Sein Name war Programm: Erik Thorvaldsson, genannt der Rote, wegen seines feuerroten Haars und Bartes. Doch was ihn wirklich auszeichnete, war kein Aeusseres, sondern ein Schicksal: zweifach verbannt, zweifach neu erfunden. Erik der Rote war einer der kuehnsten Kolonisatoren der Wikingerzeit – und sein Leben ist eine Geschichte darueber, was passiert, wenn man einem Mann alles nimmt.
Die erste Verbannung: Von Norwegen nach Island
Erik wurde um in Norwegen geboren. Schon sein Vater Thorvald musste die Heimat verlassen – wegen Totschlags. Die Familie siedelte auf Island, damals noch jung und unfertig besiedelt. Erik wuchs dort auf, heiratete, gruendete eine Farm. Doch die alten Muster wiederholten sich: Nach einer Fehde toetete Erik mehrere Maenner. Das Ding – das wikingische Volksgericht – verhaengte drei Jahre Verbannung aus Island.
Was macht ein Wikinger, wenn ihm das Land gesperrt ist? Er sucht neues Land.
Die Entdeckung Groenlands
Erik hatte von Berichten gehoert, dass westlich Islands, weit draussen im Atlantik, jemand Land gesichtet haben soll. Um segelte er los – und fand eine riesige, groesstenteils vereiste Insel. Er umrundete die suedliche Spitze und entdeckte im Westen gruene Fjordtaeler, die tatsaechlich bewohnbar wirkten.
Als seine Verbannung ablief, kehrte er nach Island zurueck – mit einem Plan und einem Namen: Groenland. „Denn die Menschen werden eher dorthin ziehen, wenn das Land einen guten Namen hat", soll er gesagt haben. Es war das erste bekannte Beispiel von Marketing durch Namensgebung in der Geschichte der Entdeckungen.
Um brach er mit 25 Schiffen auf – 14 kamen an. Er gruendete zwei Siedlungen: die Oestsiedlung und die Westsiedlung. Groenland blieb fuer mehrere Jahrhunderte islaendisch-nordisch besiedelt.
Mythos: Groenland war gruen
Teile Suedgroenlands sind tatsaechlich bewohnbar. Eriks Siedlungen lagen in Fjorden mit genuegend Weideland fuer Viehzucht. Dennoch war der Name bewusst optimistisch gewaehlt – ein fruehes Beispiel fuer Standortmarketing.
Wahrheit: Eriks Charakter
Die Sagas schildern Erik als jähzornig und stolz, aber auch als faehigen Anführer. Er blieb sein Leben lang Heide – waehrend sein Sohn Leif Christ wurde. Die Spannung zwischen Vater und Sohn zieht sich durch die Sagas.
Eriks Erbe: Der Vater eines Entdeckergeschlechts
Erik der Rote ist mehr als ein verbannter Totschlaeger. Er ist der Stammvater eines Entdeckergeschlechts: Leif Eriksson, sein Sohn, entdeckte Amerika. Tochter Freydís verteidigte die amerikanische Siedlung mit dem Schwert in der Hand. Kein anderes Wikingerpaar hat einen derartigen geographischen Fussbadruck hinterlassen wie Erik und seine Kinder.
Von Groenland bis zum Saarland: Das Netz der Wikinger
Eriks Geschichte macht deutlich, wie weit das wikingische Netz gespannt war. Wer Groenland besiedeln konnte, konnte auch die Tiefen des europaeischen Kontinents durchqueren. Wikinger nutzten die grossen Fluesse Europas als Strassen – Rhein, Mosel, Elbe, Saar. Franzoesische und frankische Chroniken belegen Normannen-Vorstoesse tief ins Landesinnere.
Das heutige Saarland lag genau auf einer solchen Achse. Die Saar muendet in die Mosel, die Mosel in den Rhein – und der Rhein war eine der meistbefahrenen Wikinger-Handelsrouten Europas. Aus denselben Fahrten, die Erik der Rote und seine Zeit prägten, stammen die Artefakte und Rekonstruktionen, die das Wikinger Museum Saarbruecken heute zeigt.
Erik der Rote lebte am absoluten Rand der bekannten Welt – und schuf dort eine neue Heimat. Lerne seine Welt kennen: Unsere Ausstellung bringt dich naeher an die Wikinger heran, als du denkst. Plane jetzt deinen Besuch im Wikinger Museum Saarbruecken.