Wikinger Museum

Blog · Geschichte & Forschung

Wikinger im Mittelmeer: Sizilien, Nordafrika und die Varangianer

Zurück zum Blog
Wikinger-Schiff vor dem Hintergrund einer Mittelmeerklippe mit byzantinischer Flagge

· Geschichte & Forschung · 7 Min. Lesezeit

Wikinger im Mittelmeer – Sizilien, Nordafrika und die Varangianer

Die Wikingerzeit endet nicht an der Atlantikkueste. Nordmaenner segelten bis nach Sizilien, gruendeten dort ein Koenigreich, dienten als Leibgarde in Konstantinopel, ueberfielen die Kuesten Nordafrikas und liessen sogar Spuren in Spanien und Portugal. Wer dachte, Wikinger seien nur ein Nordmeer-Phaenomen, unterschaetzt die Reichweite ihrer Schiffe – und ihren unerschoepflichen Antrieb, neue Horizonte zu suchen.

Der Weg ins Mittelmeer: Der Atlantik und die Strasse von Gibraltar

Zwei Routen fuehrten Wikinger ins Mittelmeer. Westroute: um die iberische Halbinsel durch die Strasse von Gibraltar. Ostroute: ueber die Fluesse Osteuropas, Schwarzes Meer und Byzanz (was die Rus erschlossen hatten).

Die Westroute war spektakulaer: Um fuhr eine Flotte unter den Anfuehrern Bjorn Eisenseite und Hastein die iberische Kueste entlang, ueberfiel maurische Staedte, drang in das Mittelmeer ein und erreichte Nordafrika, Suedfrankreich und Norditalien. Der Feldzug dauerte drei Jahre.

Normannen in Sizilien und Sueditalien

Die dauerhafteste Wikinger-Praesenz im Mittelmeer schufen die Normannen – Rollos Nachfahren aus der Normandie. Im 11. Jahrhundert nutzten normannische Ritter die politische Zersplitterung Sueditaliens und Siziliens, um dort Herrschaften zu gruenden. Bis hatten sie ganz Sizilien von arabischer Herrschaft befreit und ein eigenes Koenigreich errichtet.

Das Koenigreich Sizilien der Normannen war eines der kulturell reichsten des Mittelalters: arabisch, byzantinisch und normannisch gleichzeitig. Arabische Wissenschaftler arbeiteten an normannischen Hoefen. Der arabische Geograph al-Idrisi erstellte am normannischen Hof in Palermo die erste praezise Weltkarte des Mittelalters.

Die Waraegergarde

In Konstantinopel dienten Wikinger als kaiserliche Leibgarde – ein Elitetruppe, bekannt fuer ihre Treue und Kampfkraft. In der Hagia Sophia gibt es noch heute Runen-Inschriften, eingeritzt von Waeraeger-Soldaten als Graffiti.

Wikinger in Spanien

Mehrere wikingische Ueberfaelle auf Spanien sind belegt – Sevilla, Lissabon, die galicische Kueste. Die Araber nannten die Angreifer Madjus (Heiden). Die iberischen Koenige mussten Kuestenverteidigung aufbauen, die Europa nicht kannte.

Die Route durch das Saarland

Wer ins Mittelmeer wollte und aus dem Norden kam, musste durch das fraenkische Reich – entweder die Atlantikkueste hinunter oder durch das Innere. Die Saar-Mosel-Rhone-Route war ein logischer Weg: Von der Saar die Mosel hinauf, ueber das Mittelgebirge zum Rhone-Tal, hinunter ans Mittelmeer.

Diese Route nutzten nicht nur Pilger und Kaufleute, sondern auch normannische Krieger auf dem Weg nach Sueden. Einige der Normannen, die spaeter Sizilien beherrschten, zogen durch das Saarland. Das Wikinger Museum Saarbruecken zeigt diese geographische Verbindung: Das Saarland als Durchgangsland, das die Wikingerwelt vom Norden bis zum Mittelmeer verband.

Wikinger am Mittelmeer – das klingt paradox und ist historisch gesichert. Entdecke die volle Ausdehnung der wikingischen Welt in unserer Ausstellung und plane deinen Besuch im Wikinger Museum Saarbruecken.