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Nornen und Schicksal: Urd, Werdandi, Skuld
· Mythologie · 6 Min. Lesezeit
Nornen und Schicksal – Urd, Werdandi, Skuld
An der Wurzel des Weltenbaums Yggdrasil, am Brunnen der Urwelt, sitzen drei Frauen. Sie weben, formen und schneiden das Schicksal aller Wesen – Goetter eingeschlossen. Niemand entkommt ihnen. Nicht Odin, nicht Thor, nicht die Menschen an der Saar. Die Nornen sind die drei Schicksalsfrauen der nordischen Mythologie – und eines der tiefsten Konzepte, das die Wikingerzeit hinterlassen hat.
Wer sind die drei Nornen?
Die drei Haupt-Nornen heissen:
Urd (Urdr) – das Gewesene, das Vergangene. Ihr Name bedeutet woertlich: das, was geworden ist. Sie haelt das Ende des Fadens. Werdandi (Verdandi) – das Werdende, die Gegenwart. Ihr Name bedeutet: das, was gerade entsteht. Skuld – das Kommende, das Sollen. Ihr Name bedeutet: das, was sein muss – oder: die Schuld, das Unausweichliche.
Zusammen repraesentieren sie Zeit und Schicksal: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Jedes Menschenleben wird von ihnen beim Geburtsmoment abgemessen und gewoben – in einen Faden, den Skuld irgendwann schneidet.
Schicksal (Wyrd) – nicht Fatalismus
Das wikingische Schicksalskonzept wird oft falsch als Fatalismus verstanden: Alles ist vorherbestimmt, also ist Handeln sinnlos. Das ist falsch. Die Quellen zeigen ein nuancierteres Bild: Das grosse Schicksal ist unveraenderlich– der Tod, der Zeitpunkt, das Ende. Doch wie man bis dahin lebt – mutig oder feige, ehrenhaft oder schaemlich – das liegt im Menschen.
Wyrd (das altgermanische Wort fuer Schicksal) kombiniert Determination mit Entschlossenheit. Wer weiss, dass der Tod unausweichlich ist, hat keinen Grund zur Feigheit – und jeden Grund zur Tapferkeit. Das erklaert einen Teil der wikingischen Bereitschaft zum Risiko.
Nornen und die Griechen
Die Nornen entsprechen den griechischen Moiren (Klotho, Lachesis, Atropos) und den roemischen Parcen – drei Schicksalsfrauen, die spinnen, messen und schneiden. Das Dreiermuster des Schicksals ist indoeuropaeisch und verbreitet sich ueber den gesamten eurasischen Raum.
Persoenliche Nornen
Neben den drei Haupt-Nornen gab es persoenliche Nornen – geisterhafte Wesen, die jedem Menschen bei der Geburt zugeordnet wurden. Sie beeinflussten sein speziefisches Leben. Manche gaben Glueck, andere Unglueck.
Das Schicksalswebwerk und das Saarland
Das Dreiermuster der Schicksalsfrauen – Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – ist in der germanischen Welt allgegenwaartig. Im rhein-mosel-fraenkischen Raum, dem Kulturgebiet des heutigen Saarlandes, kannte man die Vorstellung von Schicksalsfrauen aus eigener Tradition: Die Matronen, verehrte weibliche Gottheiten des rheinischen Raums, hatten aehnliche Schutz- und Schicksalsfunktionen. Inschriften aus der Roemer-Zeit entlang des Rheins zeigen diese Figuren mit Fuellehoernern und Brot – und manchmal mit Stoffen.
Nornen und Matronen sind verschiedene sprachliche und kulturelle Kleider fuer denselben uralten Gedanken. Das Wikinger Museum Saarbruecken sieht in diesen Parallelen eine Einladung: Nordische Mythologie ist nicht fremd – sie ist die Cousine der saarlaendischen.
Urd, Werdandi, Skuld – drei Frauen, die das Schicksal jedes Menschen weben. Ihre Welt ist Teil unserer Ausstellung. Plane deinen Besuch im Wikinger Museum Saarbruecken.