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Assassin's Creed Valhalla: Wie echt sind die Wikinger im Spiel?

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Rabe mit ausgebreiteten Schwingen vor dem Mond über einem Wikinger-Langschiff – Sinnbild für Assassin's Creed Valhalla und die echte Welt der Nordmänner

· Games & Geschichte · 8 Min. Lesezeit

Als Eivor die Wikingerzeit zum Erlebnis machte

Millionen Spielerinnen und Spieler sind als Eivor in See gestochen, haben englische Klöster überfallen, Langschiffe durch neblige Fjorde gesteuert und sich in geheimnisvollen Visionen bis nach Asgard zu Odin selbst hinaufgekämpft. Assassin’s Creed Valhalla von Ubisoft hat die Welt der Nordmänner für eine ganze Generation lebendig gemacht. Doch sobald der Bildschirm dunkel wird, bleibt eine Frage: Wie viel davon ist echte Wikinger-Geschichte – und wie viel reine Spielfantasie?

Als Wikinger Museum gehen wir dieser Frage gerne nach. Die überraschende Antwort: Im historischen Kern steckt erstaunlich viel Wahrheit. Wer das Spiel gespielt hat, kennt bereits mehr echte Geschichte, als er ahnt.

Eivors Aufbruch aus Norwegen – der historische Funke

Das Spiel beginnt im Jahr : Eivors Klan verlässt das zerrissene Norwegen, um an den Küsten Englands eine neue Heimat zu gründen. Was nach reiner Erzählung klingt, hat einen realen Hintergrund. Unter König Harald Schönhaar (Harald Hárfagri) wurde Norwegen im späten 9. Jahrhundert gewaltsam geeint – einer Überlieferung nach besiegelt in der Schlacht von Hafrsfjord. Viele Sippen, die sich der neuen Macht nicht beugen wollten, wanderten aus: nach Island, in die Normandie und eben nach Britannien.

Genau diese Migration legte den Grundstein für das Danelag – jenen Teil Englands, in dem skandinavisches Recht und nordische Kultur über Generationen fortlebten. Eivors Auswanderung ist also kein Drehbuch-Einfall, sondern spiegelt eine reale Bewegung der Wikingerzeit wider. Mehr über diese Reisen quer durch den Kontinent zeigen wir im Themenbereich Wikinger & Europa.

Das Große Heidnische Heer: Wenn das Spiel zur Quelle wird

Im Laufe der Handlung verbündet sich Eivor mit den Söhnen Ragnars – Ivar, Ubba und Halfdan – und tritt einem mächtigen Wikingerheer gegen die angelsächsischen Königreiche bei. Das ist kein erfundenes Kollektiv: Das Große Heidnische Heer fiel tatsächlich im Jahr in England ein, angeführt von den (halb-legendären) Söhnen Ragnar Lodbroks – darunter Ivar der Knochenlose, Halfdan und Ubba.

Über mehr als ein Jahrzehnt eroberte dieses Heer York, zwang ein Königreich nach dem anderen in die Knie und etablierte das Danelag. Selbst Eivors großer Gegenspieler ist historisch verbürgt: Alfred der Große von Wessex, der einzige englische König, dem die Geschichte den Beinamen „der Große" verlieh. An diesen Stellen ist Valhalla kein Fantasieprodukt, sondern bemerkenswert nah an den Quellen.

Repton: Ein echtes Wikingerlager, das du im Spiel betrittst

Besonders verblüffend wird es bei einem Schauplatz, den viele für reine Kulisse halten: dem Winterlager in Repton (altenglisch Hreopandune). Das Große Heidnische Heer überwinterte hier nachweislich /874 – so steht es in der Angelsächsischen Chronik.

Und es gibt handfeste Beweise im Boden: Die Archäologen Martin Biddle und Birthe Kjølbye-Biddle legten nahe der St.-Wystan-Kirche ein Massengrab mit den Überresten von mindestens 264 Menschen frei. Manche Forscher vermuten, dass es um eine zentrale Bestattung herum angeordnet war – möglicherweise sogar um Ivar den Knochenlosen selbst, auch wenn sich das nicht beweisen lässt. Wer in Valhalla durch Repton zieht, bewegt sich also über einen real ausgegrabenen Schauplatz der Wikingerzeit.

Erstaunlich echt

Das Große Heidnische Heer, die Söhne Ragnars, König Alfred von Wessex und das Winterlager in Repton sind historisch belegt – teils sogar archäologisch ausgegraben.

Reine Spielfantasie

Der Animus, die uralte Vorläuferrasse der „Isu", die Sprünge aus dem „Leap of Faith" und das beidhändige Schwingen schwerer Äxte gehören ins Reich der Fiktion.

Asgard, Odin und die Visionen – wo Mythos auf Science-Fiction trifft

In rauschhaften Visionen erlebt Eivor Asgard, schlüpft in die Rolle Odins (im Spiel „Havi" genannt) und kämpft dem drohenden Ragnarök entgegen. Asgard, Odin und der Weltenuntergang sind authentische nordische Mythologie, überliefert in der Edda. Hier schöpft das Spiel aus echtem Stoff.

Der entscheidende Unterschied: Für die Wikinger war dies gelebte Religion, kein Abenteuer. Die Spielreihe deutet die Götter zudem in ihren übergreifenden Sci-Fi-Rahmen um – als „Isu", eine technologisch überlegene Vorläuferrasse. Das ist erfunden. Die echten Geschichten von Odin, Thor und Loki erzählen wir in unserem Artikel „Odin, Thor und Loki" und im Themenbereich Götter & Mythen.

Äxte, Schilde und Berserker – die Ausrüstung der echten Krieger

Eivors Arsenal trifft den historischen Kern überraschend gut. Die gefürchtete Dänenaxt – eine lange, zweihändig geführte Breitaxt – war eine reale und sehr wirkungsvolle Waffe der Wikingerzeit. Auch die runden Holzschilde mit eisernem Schildbuckel sind historisch belegt, ebenso die ekstatischen Berserker, die in den Sagas auftauchen.

Reine Spielmechanik ist dagegen das beidhändige Schwingen zweier schwerer Waffen zugleich – im echten Kampf undenkbar. Wer wissen will, wie Schwert, Axt und Schild wirklich aussahen, findet die Antworten im Themenbereich Krieger & Waffen. Übrigens: Die brutalen Klosterüberfälle, mit denen das Spiel beginnt, haben ihr reales Vorbild im Überfall auf das Kloster Lindisfarne im Jahr – dem traditionellen Beginn der Wikingerzeit.

Raben, Runen und Tätowierungen – Symbole zwischen Pixel und Realität

Eivors treuer Rabe Sýnin ist weit mehr als ein Gameplay-Werkzeug. Er knüpft direkt an Huginn und Muninn an – „Gedanke" und „Erinnerung", die beiden Raben, die für Odin über die Welt fliegen. Rabenbanner (Hrafnsmerki) wehten nachweislich über echten Wikingerheeren.

Auch die allgegenwärtigen Runen sind kein bloßes Designelement: Sie waren eine echte Schrift mit eigener Symbolkraft, wie wir in unserem Beitrag „Runen: Die geheime Schrift der Wikinger" zeigen. Selbst Eivors markante Tätowierungen haben einen wahren Kern: Der arabische Gesandte Ibn Fadlan beschrieb nordische Händler als von den Fingernägeln bis zum Hals mit dunklen Mustern bedeckt – wie weit verbreitet das wirklich war, bleibt unter Forschern allerdings umstritten.

Vom Controller ins Museum – erlebe die echten Wikinger

Du hast als Eivor eine ganze Wikingerwelt durchstreift – ihre Schiffe, ihre Götter, ihre Schlachten. Dieselben Langschiffe, Runen und Waffen, die du auf dem Bildschirm gesehen hast, kannst du im Wikinger Museum Saarbrücken in echt erleben: über 500 Artefakte, sechs Themenwelten und mitten darin unsere Sonderausstellung „Frauen der Wikingerzeit". Letztere passt perfekt: Schließlich kann man Valhalla auch als weibliche Eivor spielen – und Schildmaiden waren weit mehr als ein Mythos.

Assassin’s Creed Valhalla ist kein Geschichtsbuch – aber eine erstaunlich gut recherchierte Einladung, den echten Wikingern zu begegnen. Diese Einladung lösen wir bei deinem Besuch im Museum ein.

Also: Spiel das Spiel zu Ende – und komm dann zu uns, um zu sehen, wo die Pixel aufhören und die Geschichte beginnt. Die echten Nordmänner warten in Saarbrücken auf dich.